Testbericht DDoptics Nachtfalke 2,5-15×50 – Großer Zoom – kleiner Preis

Autor: Roland Zeitler

Bei variablen Zielfernrohren mitteleuropäischer Fertigung war jahrzehntelang ein vierfacher Zoomfaktor gang und gäbe.

Dann wartete insbesondere Swarovski bei seinen Z 6-Spitzenoptiken mit einem sechsfachen Zoomfaktor auf. Der erweitert den Vergrößerungsbereich vor allem nach oben: für größere Detailerkennbarkeit, genauere Zielerfassung bzw. leichtere Haltepunktverlagerung. Nobelmarken verlangen für solche Gläser gut 2000Euro und mehr.

Zum unschlagbaren Preis von 999 Euro bietet nun das sächsische Unternehmen DDoptics ebenfalls ein Zielglas mit 6x-Zoom. Für den Reviereinsatz wurde ein DDoptics Nachtfalke 2,5-15×50 auf eine Sauer 202 montiert. Von seiner optischen Formel her ein Universalzielfernrohr, überzeugt das DDoptics bei der Pirsch und auf dem Ansitz.

Für die Drückjagd wäre es keine erste Wahl: Das Sehfeld (13,5 – 2,3m/ 100m) ist für den flüchtigen Schuss selbst im unteren Bereich zu schmal.

Das DDoptics besitzt ein einteiliges, kratzfest harteloxiertes Aluminiumrohr. Stickstoffgefüllt, blieb es im mehrstündigen Wasserbad (50cm tief) dicht.
Der fein gerillte Vergrößerungswechsler benötigt nur eine halbe Umdrehung von 2,5x bis 15x. Er läuft etwas schwer, aber geschmeidig und gleichmäßig. Bei – 20° C-Prüftemperatur ließ er sich jedoch kaum mehr bewegen.

Die Dioptrienverstellung besitzt ein Steilgewinde, ist sie auch bei tiefer Kälte widerstandsfrei. Erfreulich der große Dioptrienverstellbereich von ± 3Dioptrien. Besonders der Minus-Bereich ist bei geringem Licht und Kurzentfernungen wichtig. Der Augenabstand von knapp über neun Zentimeter erwies sich als sehr komfortabel. Das Okular wurde mittels Gummiring entschärft.

Wiederkehrgenaues Absehen

Eine Prüfung ergab, dass die Absehenverstellung sehr wiederholgenau arbeitet. Die Skala ist nullbar. Am Mittelrohr befindet sich noch ein gut gehender Parallaxenausgleich (dieser verhindert Treffpunktverlagerungen bei Schiefeinblick).

Die Leuchteinheit sitzt auf dem Okulartubus; dort stört sie freilich etwas beim Vergrößerungswechsel. Der Leuchtpunkt für Tag und Nacht lässt sich rastlos in elf grob unterteilte Leuchtstufen regeln. Die Leuchtstärke muss nach einem Abschalten jedoch stets von Neuem manuell einreguliert werden. Zwischenstufen oder ein „Zwischenabschalten“ gibt es nicht, ebenso keine elektronisch geregelte Abschaltung. Ein- und Ausschalten verursacht einen leisen Klick, der aber nicht jagdstörend war.

Das Fadenkreuz des Absehens „4“ ist durchgehend. Erst nach Einschalten des Leuchtabsehens erscheint der Leuchtpunkt in Fadenkreuzmitte. Die Leuchtstärke ist ausreichend fein dimmbar für geringstes Restlicht. Auch bei hellem Sonnenschein und Schnee erkennt man den roten Leuchtpunkt gut.
Das Absehen 4 liegt in der 2. Bildebene und vergrößert sich nicht mit. Es ist bei geringer Vergrößerung auch bei schwierigem Licht bestens wahrnehmbar. Bei 15x verdeckt der Faden gerade mal 7 mm/ 100 m. Bei dem Testglas wurde am Kollimator eine Abweichung über den gesamten Vergrößerungsbereich von 1cm/ 100m festgestellt. Ein Wert, der in der Jagdpraxis vernachlässigbar ist. Ein Klopftest und eine 20-Schuss-Belastung mit der .340 Wby. Mag. konnten die Mechanik nicht beeindrucken.

Erstaunliche Transmission

Die voll vergütete Optik erbrachte eine hohe Lichttransmission von 92,8 bzw. 90,8 Prozent (Tag/ Nacht). Der Falschlichtanteil war mit 0,5 und 2,9 Prozent (bei 2,5x bzw. 15x)extrem gering. Auch bei Gegenlicht konnten im Bild keine Reflexe festgestellt werden.
Die Auflösung war gut, geboten wurde aber ein scharfes Bild mit guter Randschärfe.

Der Detailerkennbarkeit bei geringem Licht und schwierigen Lichtverhältnissen –sind aber trotz der hohen Lichttransmission – dann doch natürliche Grenzen gesetzt.

Insgesamt wird ein helles sowie scharfes Bild mit Eignung für schlechtes Licht, insbesondere bei Nacht geboten.

Tipp

Für die Kirr-Jagd erwies sich die fünf-bis siebenfache Vergrößerung als ideal. So konnten schwierige Lichtsituationen wie „Sauen vor Dickungen im Mondlicht“ noch gut gemeistert werden.

Fazit

Mit dem DDoptics Nachtfalke 2,5 – 15 x 50 wird ein praxisgerechtes, vielseitig einsetzbares Zielglas zu einem günstigen Preis geboten. Zu den Spitzenoptiken der Marktführer besteht jedoch im Komfort (Leuchteinheit) und Bildbrillanz/ -qualität ein wahrnehmbarer, nachvollziehbarer Unterschied.

Dafür kostet das DDoptics 2,5 – 15 x 50 halt auch nur 869 Euro – ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis. Roland Zeitler